Besonders in den ersten Lebensjahren ist die Entwicklung der Sinne von eminenter Wichtigkeit. Ohne regelrecht ausgebildete Sinnesorganisation werden sich zahlreiche Schwierigkeiten in allen Bereichen des Lebens ergeben, da die Sinne für den Menschen das Tor zur Welt bilden.

Weisen die körperlichen Basissinne Störungen auf, so kann bspw. ein subtiles, aber permanentes Mangelgefühl entstehen, was sich dann sowohl auf das soziale Verhalten, als auch auf die kognitive Leistungsbereitschaft im schulischen Bereich negativ auswirken kann. Sich auf ein soziales Geschehen einzulassen, Gemeinschaft zu genießen und Teilen zu können, kann nur dann sicher geschehen, wenn die Befriedigung der Grundbedürfnisse auch tatsächlich durch die Sinne vermittelt erlebt wird.

Ist der Tastsinn gestört, so treten zumeist nicht vorrangig Taubheitsgefühle auf, wie man meinen könnte. Eine Beeinträchtigung des Tastsinns kann sich in Überempfindlichkeiten etwa in Bezug auf den Kleiderwechsel oder durch latente Ängste aufgrund eines fehlenden Gefühls der eigenen Grenzen und Koheränz zeigen, um nur wenige Beispiele aus dem vielfältigen und komplexen Gebiet der Sinneslehre anzuführen.

Wie findet nun eine kindgerechte Förderung der Sinne im Alltag statt?

Die körperlichen Sinne werden allgemein durch körperliche und natürliche Reize geschult. Natürliche, warme Materialien wie Holz entsprechen weit mehr der Zieldymnamik des Tastsinns als einheitlich fabriziertes Spielzeug aus Kunststoff.

Eine abwechslungsreiche, biologische Ernährung mit vielen frischen Zutaten wird weit mehr zum Erleben eines nachhaltig positiven Sättigungsgefühls beitragen als stark verarbeitete Instant- und Fertigprodukte mit artifiziellen Zusatzstoffen.

Die Bewegung in der Natur an der frischen Luft auf unebenen Untergründen, das Erleben verschiedener Licht- und Wetterverhältnisse in der sich beständig wechselnden Umwelt im Gesamten wird den Sinn für die eigene Bewegung und das Gleichgewicht mehr ansprechen, als es vordefinierte Bewegungselemente in geschlossenen Räume vermögen.

Auch für ältere Kinder oder Jugendliche stellt diese Art der Sinnesförderung eine elementare Grundlage dar, vor allem wenn Nachholbedarf in dieser Hinsicht besteht. Wie sehr genießen auch wir Erwachsene die Natur und können hier „entspannen“ in einem gesellschaftlichen Umfeld, in der anscheinend möglichst viel „spannend“ zu sein hat.

Der Einsatz elektronischer Medien steht, wie es die Neurologie und Hirnforschung in jüngerer Zeit zunehmend wissenschaftlich belegt, der geschilderten notwendigen Sinnesschulung in krassem Gegensatz entgegen. Beim Betrachten von Bildschirmen wird die aktive Muskelbewegung deutlich gehemmt, der Mensch wird passiv aufnehmend, anstatt sich aktiv auf Dinge zuzubewegen und sie auch körperlich zu ergreifen. So gesehen findet eine permante Sinnestäuschung statt. Jedes Bild wird zweidimensional und unveränderlich dargestellt, sodass jede Wahrnehmung von Raumtiefe und das Verhältnis der eigenen Körperlage zur Perspektive, geschweige denn Geruch, Geschmack und angemessene Lichtverhältnisse durch den leuchtenden Bildschirm absolut unterbunden werden und so einer gesunden Entwicklung abträglich sind. Nur auf Basis einer reellen, analogen Sinnesorientierung kann später die Orientierung und Unterscheidung angesichts einer virtuellen, digitalen Welt stattfinden. Der Erwerb der Basis von Medienkompetenz geschieht daher durch den Verzicht auf elektronische Medien in den ersten sieben Lebensjahren.