Übersicht:

Die zwölfte Fee stellt ein internes heilpädagogisches Angebot der Einrichtung dar, das Kinder und Jugendliche in Ihrer Entwicklung begleitend stärkt und den Alltag der Kinder- und Jugendhilfe als Lebenswirklichkeit des jungen Menschen ergänzt und förderlich impulsierend unterstützt. Als Durchführender dieses Angebots möchte ich Ihnen gerne einen Einblick verschaffen.

Zum Namen:

Im Märchen „Dornröschen“ der Brüder Grimm treten nach der Geburt des Königskindes die weisen Feen des Landes an die Wiege und bringen der jungen Prinzessin ihre guten Wünsche dar.

Als die dreizehnte Fee plötzlich hinzu kommt und dem Kind den Tod in Jugendjahren wünscht, ist das Entsetzen am Königshofe groß. Doch die zwölfte Fee, die ihren Wunsch noch übrig hat, schenkt dem Kind ihr Wohlwollen. Sie kann den Einfluss des schlechten Wunsches nicht ungeschehen machen, doch sie mildert und wandelt ihn ab. So wird Dornröschen lediglich in einen hundertjährigen Schlaf fallen und mit neuen Aspekten – im Märchen ist das der Prinz – daraus erwachen.

In dieser Hinsicht wird die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gestaltet.

Schicksalsschläge, schwierige Biographien und Traumata sind unabänderliche Bestandteile des Lebensweges eines Menschen, in denen jedoch auch eine große Möglichkeit zum Erwerb von Resilienz und Kompetenzen liegt. Die Integration von Schwierigkeiten, sowie das Erforschen und Erkennen der eigenen Talente und Fähigkeiten stellen einen wichtigen Bestandteil zur Reifung zum mündigen und selbstbestimmten Menschen dar, auch – oder gerade wenn – der Start ins Leben bisher eher holprig war. Jede Biografie ist einzigartig und wertvoll und es ist nun die Aufgabe des Umfelds, Räume für die Entwicklung (wieder) zu eröffnen, umdem sich stets entwickeln wollenden Wesenskern des Menschen gerecht zu werden.

Ablauf:

Im Fachteam der Gruppe des Kindes/ des*der Jugendlichen wird der individuelle Bedarf ermittelt und dann entsprechend der organisatorischen Umsetzbarkeit ein regelmäßiger Termin gefunden. Als Zeitrahmen sind je nach Alter und Bedarf pro Termin etwa 60 Minuten in einem ein- bis zweiwöchigen Turnus gegeben.

Die Zustimmung des jungen Menschen hierfür ist immer Voraussetzung.

In der Regel finden die Termine in einer 1:1 Situation statt, es gilt die Vereinbarung der Wahrung des persönlichen Schutzraumes, d.h. es passiert nichts, was das Kind/der*die Jugendliche nicht möchte und dasselbe gilt für den Heilpädagogen. Insofern ist ein Raum für ein „Nichts-Müssen“ gegeben. Die Zeit, die für den jungen Menschen aufwendet wird, ist nicht als Forderung des sich unbedingt „Entwickeln-Müssens“ und der Erwartung zu verstehen, sondern als Geschenk des herzlichen Interesses an der sichtbaren und verborgenen Persönlichkeit und den Intentionen meines Gegenübers.

Es stehen zahlreiche, aber dennoch überschaubare Aktivitäten in einem eigens hierfür reservierten und gestalteten Raum bereit. Der Ablauf findet altersgemäß ritualisiert und rhythmisiert statt, um trotz der hohen individuellen Ausrichtung des Angebots zusätzliche Sicherheit anzubieten. Die Freude und der spielerische Charakter haben stets Vorrang, da keine zusätzlichen Stresssituationen für das Kind/ den*die Jugendliche entstehen sollen. Zunächst darf sich orientiert und ausprobiert werden.

Nach einigen Orientierungsstunden wird die Schnittstelle zwischen dem vom Gruppenteam anhand des Hilfeplans und der täglichen Beobachtungen im Alltag festgestellten Bedarfs, den Beobachtungen in den Stunden und den Interessen des Kindes/ des*der Jugendlichen gefunden. Dann wird anteilnehmend, feinfühlig und forderungsfrei die Motivation des Kindes angesprochen.

Bereit stehen Bücher und Spiele für verschiedene Entwicklungsalter, Material zum Bauen und der Sinneserfahrung und -pflege, sowie zur künstlerisch-kreativen Betätigung. Gerade für Jugendliche existiert auch ein reines Gesprächsangebot, sollte dies gewünscht werden. Sollte das Stattfinden im vorgesehenen Raum aufgrund des aktuellen Bedarfs des Kindes/des*der Jugendlichen nicht möglich sein, ist eine Beobachtung und Begleitung auch im Gruppenalltag möglich, ebenso wie Tätigkeiten außerhalb, bspw. Erkundungen im Freien, Gartenarbeit oder die begleitete Gestaltung des eigenen Zimmers.

Die Einheiten werden dokumentiert und fließen als Rücklauf mit höchster Transparenz in die Fachbesprechungen und die Berichte für den Hilfeplan mit ein. Bei gezielten Fragen der Fachkräfte, des Jugendamts oder der Sorgeberechtigten findet zusätzlich eine heilpädagogisch fundierte Beratung und Einschätzung statt. Es erfolgen im Einzelfall Befunderhebungen anhand des ICF-CY (WHO), sowie spezifische Testungen.

  • Zwölfte Fee Fensterblick
  • Wohlfühlecke
  • Tisch