Unfälle oder das Erleben von Naturkatastrophen wirken verheerend auf das Vertrauen des Kindes in die Welt. Krieg und Verfolgung, Gewalterfahrungen, körperlicher oder seelischer Missbrauch und Verwahrlosung wirken in höchstem Maße zerrüttend auf das Vertrauen in den anderen Menschen.
Soll ein Kind nach einer Traumatisierung Heilung erfahren, so gilt es, dieses Vertrauen in die Welt, den Menschen und auch zu sich selbst behutsam wieder aufzubauen.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen, die nicht ausreichend Fürsorge erfahren konnten, hilft der Ansatz der Stabilisierung über das Naturreich der Tiere. Die Tiere stehen den Menschen durch ihre seelische und physische Verwandtschaft anfänglich am nächsten, jedes Kind wird mehr Tiere als Pflanzen benennen können, obwohl es von zweiteren objektiv mehr Arten auf unserer Erde gibt.
Das Tier reagiert unbefangen auf jeden Menschen, das Hinführen der Wahrnehmung des Kindes zu dieser Erfahrung beinhaltet große Entwicklungsmöglichkeiten. Ein Urteil über die Biographie oder das Aussehen sind für das Tier beim Kontakt nicht vorhanden. Das Kind muss sich nicht verstellen, es muss keine Rollen übernehmen, die es aus seinem bisherigen Umfeld vielleicht gewohnt war.

Das Tier zeigt damit dem Kind gegenüber eine grenzenlose Akzeptanz, eine Erfahrung, die tief zur inneren Stabilisierung des eigenen Wesenskerns beitragen kann. Durch das Ertasten, Streicheln oder Liebkosen eines Tieres kann ein Teil zuvor versäumter Seelenpflege nachgeholt werden, das Tier spiegelt dem Kind unmittelbar über die Sinne wahrnehmbar diese Funktionen. Das Kind darf lernen zu vertrauen, es durfte im Prozess erfahren, dass es nicht im Wesen des Tieres liegt zu enttäuschen. Es entsteht wieder erstes Vertrauen zur Welt, in der das Tier als Naturwesen steht.

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Im weiteren Verlauf kann durch einen Beziehungsaufbau zum Tier vorsichtige eine erste Brücke zum Menschenreich entstehen. Das Kind oder der Jugendliche beginnen, Verantwortung für das Tier zu verspüren. Das Versorgen des Tieres in physischen Belangen wie Nahrung, das Ausweiten der eigenen Grenzen bei den zunächst vielleicht unangenehmen Tätigkeiten des Sauberhaltens, bieten weitere zahlreiche Entwicklungs- und Heilungsmöglichkeiten. Das Erarbeiten von Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit kann sowohl auf das eigene Wesen, als auch auf die Gruppe übertragen werden.

Wenn sich nun noch der Erfolg des Umgangs mit dem Tier vorzeigbar manifestiert, kann sich auch das Bild des Kindes von sich selbst, der Welt und anderen Menschen wieder „abrunden“.

Nach all der Arbeit hat das von klein aufgezogene Huhn ein Ei gelegt, behutsam stolz wird es den anderen gezeigt.

Aus der Wolle des Schafs kann für alle etwas Schönes entstehen.

„Die Ziege hat sich heute das erste Mal von MIR streicheln lassen!“

Ein Jugendlicher hat das Handwerk der Imkerei gemeistert und stellt das erste Glas „eigenen“ Honig auf den Frühstückstisch.

Zum ersten Mal gibt es einen Ausritt auf dem Pferd.

Wir danken den Tieren, die auch ihr ZUHaUSE auf Gut Hemerten haben!